Rabbi Yehuda Leib HaLevi Ashlag (1884 - 1954) ist bekannt als Baal HaSulam (Besitzer der Leiter) für seinen Sulam (Leiter)-Kommentar über Das Buch Sohar. Baal HaSulam widmete sein Leben Auslegungen und Neuerungen in der Weisheit der Kabbala, ihrer Verbreitung in Israel und der ganzen Welt. Er entwickelte eine einzigartige Methode zum Studium der Kabbala, durch die jeder Mensch sich eingehend mit der Fülle der Realität und der Enthüllung ihrer Wurzeln und des Zwecks der Existenz befassen kann.
Baal HaSulam wurde in Warschau, Polen, am 24. September 1884 geboren. Im Alter von 19 Jahren wurde er von den größten Rabbinern Warschaus als Rabbi ordiniert und diente 16 Jahre lang als Dayan (jüdisch-orthodoxer Richter) und Lehrer in Warschau.
Baal HaSulams Lehrer war Rabbi Yehoshua von Porsov. Im Jahr 1921 wanderte Baal HaSulam nach Israel aus und ließ sich in der Altstadt von Jerusalem nieder. Die Nachricht seines Kommens verbreitete sich schnell unter Juden, die aus Polen eingewandert waren und bald wurde er als Autorität in der Kabbala bekannt. Allmählich formte sich um ihn eine Gruppe von Studenten, die in den frühen Morgenstunden am Kabbala-Unterricht teilnahmen. Später zog Baal HaSulam aus der Altstadt fort und ließ sich in Givat Shaul nieder, das damals ein neuer Stadtteil Jerusalems war, wo er etliche Jahre als Rabbiner dieses Stadtteils diente.
Baal HaSulam verbrachte die Jahre 1926 - 1928 in London. Während seiner Zeit in London schrieb er den Kommentar zu Aris Baum des Lebens - Panim Meirot uMasbirot, das er 1927 in Druck gab. Während seines gesamten Aufenthalts in London führte Baal HaSulam einen umfangreichen Briefwechsel mit seinen Studenten in Israel, der im Jahr 1985 in einem Buch mit dem Titel Igrot Kodesh (Briefe der Heiligkeit) zusammengefasst wurde.
Im Jahr 1933 veröffentlichte Baal HaSulam die Artikel Matan Torah (Die Gabe der Thora), HaArvut (Die Bürgschaft) und HaShalom (Der Frieden).
Die zwei bedeutendsten Werke Baal HaSulams, das Ergebnis jahrelanger Arbeit, sind Der Talmud Esser HaSefirot (Das Studium der Zehn Sefirot), ein Kommentar der Schriften des Ari und Perusch HaSulam (Der Sulam Kommentar) zum Buch Sohar. Die Veröffentlichungen der 16 Teile (in 6 Ausgaben) des Talmud Esser HaSefirot begann im Jahr 1937. Im Jahr 1940 veröffentlichte er Beit Shaar HaKavanot (Das Tor der Absichten), mit Kommentaren zu ausgesuchten Schriften des Ari. Perusch HaSulam über den Sohar wurde in 18 Ausgaben in den Jahren 1945-1953 in Druck gegeben. Später schrieb Baal HaSulam drei zusätzliche Ausgaben, die Kommentare zu Der Neue Sohar enthielten, dessen Druck im Jahr 1955 nach seinem Ableben fertiggestellt wurde.
In seinem Vorwort zum Buch Sohar schreibt Baal HaSulam wie folgt (Punkt 58): Und diesen Kommentar nannte ich "Sulam" (die "Leiter"), um zu zeigen, dass seine Bestimmung dieselbe wie die einer Leiter ist, denn, wenn du einen Dachboden voller Güter hast, dann mangelt es nur an einer "Leiter", um zu ihm aufzusteigen, und dann werden Dir alle Schätze der Welt verfügbar sein.
Baal HaSulam schrieb eine Reihe von Einführungen, die Studenten auf das richtige Studium von kabbalistischen Texten vorbereiten. Einige dieser Einführungen sind Vorwort zum Buch Sohar, Einführung in das Buch Sohar, Vorwort zur Weisheit der Kabbala, Vorwort zum Sulam Kommentar, Allgemeines Vorwort zu Der Baum des Lebens und Einführung zum Talmud Esser HaSefirot.
Im Jahr 1940 veröffentlichte Baal HaSulam die erste und, wie sich herausstellte, die letzte Ausgabe der Zeitschrift HaUma (Das Volk). Die Zeitschrift wurde von der britischen Mandatsherrschaft eingestellt, nachdem sie bösartige Informationen bekam, dass die Zeitschrift Kommunismus propagieren würde.
Baal HaSulam stieß auf enorme Schwierigkeiten, seine Bücher in Druck zu geben. Über die Wichtigkeit, die er dem Drucken und Verbreiten der Kabbala beimaß, erfahren wir aus der Schilderung Prof. Shlomo Giora Shohams, Israel Award Preisträger 2003, über ein Treffen mit Baal HaSulam in den frühen 50er Jahren.
Ich fand ihn in einem zerfallenen Haus stehend vor - fast eine Bruchbude - in der eine alte Druckerpresse untergebracht war. Er konnte es sich nicht leisten, einen Schriftsetzer zu bezahlen und erledigte das Setzen selbst, einen Buchstaben nach dem anderen, stand dabei jeweils stundenlang über der Druckerpresse gebückt, trotz der Tatsache, dass er weit über 60 war. Ashlag war eindeutig ein Zaddik (gerechter Mann) - ein demütiger Mann mit einem strahlenden Gesicht. Aber er war eine absolut unbedeutende Persönlichkeit und schrecklich verarmt. Ich hörte später, dass er so viele Stunden zugebracht hat, Lettern zu setzen, dass das beim Druckvorgang verwendete Blei seine Gesundheit zerstörte. Dieser Auszug wurde am 17 Dezember 2004 in einem Artikel von Micha Odenheimer in der Zeitung Haaretz veröffentlicht.
Baal HaSulam brachte seine Gedanken nicht bloß zu Papier; sondern er handelte tatkräftig, um sie bekannt zu machen. Er traf sich mit vielen damaligen Führern der jüdischen Siedlungen Israels, Führern der Arbeiterbewegung und vielen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Unter diesen Persönlichkeiten befinden sich David Ben-Gurion, Salman Shasar, Moshe Sadeh, Chaim Arlosorov, Moshe Aram, Meir Yaari, Yaakov Hasan, Dov Sadan und der große Dichter Haim Nahman Bialik.
Ben-Gurion zufolge, traf dieser sich etliche Male mit Yehuda Ashlag und war offensichtlich überrascht: Ich wollte mit ihm über Kabbala sprechen, und er wollte über Sozialismus sprechen (Ben-Gurion Archiv, Tagebücher, 11. Aug. 1958).
In seinem Essay Drei Treffen und dazwischen (Amot, Tel-Aviv, 1963, S. 49) schreibt Dov Sadan: Unter den größten Kabbalisten der Zeit beabsichtigte Rabbi Yehuda Leib Ashlag, die Grundlagen der Kabbala zu einem historischen Antrieb unserer Generation zu machen. Durch seine sozialistische Wahrnehmung, die auf dem Obigen basiert, suchte er Kontakt mit der Kibbutz-Bewegung.
Es mag überraschen, zu denken, dass Baal HaSulam Verbindung zur hebräischen Arbeiterbewegung und ihren Führern, in Anbetracht der geistigen und erzieherischen Kluft zwischen ihnen, suchte. Tieferes Studium seiner Schriften jedoch enthüllt die faszinierende und fesselnde Persönlichkeit eines Gelehrten, der sich sehr mit den Ereignissen seiner Zeit, sowohl in Israel, als auch der gesamten Welt, beschäftigte, eine Persönlichkeit, deren Gedanken sogar bis heute für revolutionär und gewagt gehalten werden.
|