Ist es legal oder grenzt es an Ausbeutung, Geld für sogenannte “spirituelle” Gaben zu nehmen?
Transkription
Sollte man Geld für „spirituelle Gaben“ nehmen?
Guy Gudes: Uns sind diese Trends der Kabbalisten, Kaffesatzleser und Wahrsager bekannt, und diese Trends werden immer stärker. Und heute sucht jemand, der ein grosses oder kleines Problem hat, nach diesen Antworten, jeder nach seinem Geschmack. Die Frage ist, falls Geld dafür verlangt wird, wieviel? Von manchen höre ich, dass sie 18 $ nehmen und andere 100 mal mehr. Gibt es darüber etwas Genaues oder kann jeder sagen „Schau, ich habe diese Stärke, ich helfe den Leuten, drum habe ich das Recht zu nehmen, was ich möchte“.
Die Frage ist, wann kann sowas den Leuten spirituell wirklich helfen, denn der Schöpfer hat mir besondere Kräfte gegeben, oder wurde es zu geschäftlich? Wie man weiß, kann man den Leuten, die unglücklich sind, soviel Geld, wie man will, abnehmen?
Rav Laitman, Dr. Phil.: Hier ist meine Meinung... ich würde es so sagen: die Frage ist nicht korrekt. Inwiefern nicht korrekt? Wie wir bereits sagten, öffnet die Kabbalah ein Tor zur Wahrnehmung der Höheren Welt, und von dort aus kannst Du selbst lernen, zusammen mit dem Buch als Führer, wo tatsächlich Deine Existenz ist.
Es spricht überhaupt nicht darüber, was in der Welt geschieht. Genauer gesagt, wenn Sie mich fragen, wie kann ich erfolgreicher in meiner Ehe, im Geschäft, gesundheitlich und anderem werden, dann würde ich Ihnen antworten „Suchen Sie einen Experten auf und lassen Sie mich in Frieden“.
Warum? Weil es bei der Weisheit der Kabbala nicht darum geht. Bei ihr handelt es sich um die Öffnung zur spirituellen Welt, damit man ein erhabeneres System spüren kann, mit dem man sein Leben selbst verbessern kann.
Die Tatsache, dass man jemandem 100 000 Mal 18 gibt, hilft nicht. Es mag psychologisch eine Stütze sein. Sie mögen das Gefühl erhalten „das tut mir bestimmt gut“. Diese Stärkung der Seele, der Glaube daran, das hilft Dir.
Guy Gudes: Hilft es mir oder dem Menschen, der das Geld bekommt und sich somit seinen Lebensunterhalt verdient?
Rav Laitman: Nein. Es hilft dem Menschen, der das Geld ausgibt und sich dabei psychologisch gestärkt fühlt. Doch hat dies keine Beziehung zur Kabbala. Dies gehört mehr zu solchen Menschen, die einen Zettel an die Klagemauer stecken oder jemandem etwas geben, um sich sicherer zu fühlen.
So sind wir gebaut. Es ist eine natürliche, animalische Sicherheit, die tief ins uns steckt. Doch damit verändert ein Mensch nicht sein Leben, er verändert nicht das Essentielle des Lebens. Und deswegen gehört dies nicht zur Kabbala.