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Wunder können geschehen PDF Drucken E-Mail

von  Michael Brushtein


Es war einmal ein Junge namens Pete. Pete schien ein gewöhnlicher Junge zu sein, aber Pete war in Wirklichkeit ein ganz besonderer Junge. Nicht, dass er nicht gern spielte und Fahrrad fuhr wie alle seine Freunde. Was Pete so besonders  machte, war, dass er nur an Dinge glaubte, die er sehen, schmecken oder berühren konnte. Während seine Freunde nie daran dachten, zu hinterfragen, was sie lernten, war Pete über alles skeptisch, was er nicht beweisen konnte. Er hatte ernste Zweifel über die Elektrizität, weil er sie nicht wirklich sehen konnte. Er hatte sogar Zweifel darüber, dass die  Erde rund ist, weil er rundum  nur flaches Land sehen konnte.

Andere Kinder sprachen häufig über einen magischen Zauberer, der in einem verzauberten Garten außerhalb der Stadt lebte. Viele Geschichten wurden darüber erzählt, wie dieser Zauberer die Wünsche der Menschen Wirklichkeit werden lassen konnte. Aber Pete glaubte es nicht. Pete hatte Zauberer gesehen. Er hatte gesehen, dass sie Kaninchen aus ihren Hüten zogen, wie Sie Münzen verschwinden ließen, und sogar zur Decke flogen. Aber Zauberer werden selbst zugeben, dass jeder Trick eine Illusion ist. Mit viel Praxis und einer schnellen Hand sind sie im Stande, ihre Tricks echt aussehen zu lassen, selbst wenn sie es nicht sind. Pete wusste sehr gut, dass es keine Zauberer gab. "Wie dumm!" dachte er. "Zauberer sind nicht echt, es gibt sie nur in Märchen."

Eines Tages, als Pete seine  kranke Großmutter besucht hatte, schlief er im Bus auf dem Weg zurück nach Hause ein.
"Wach auf junger Mann," erschreckte ihn eine laute Stimme, "der Bus fährt  zur Station zurück."
Pete rieb seine Augen und wachte auf. Er begriff, dass er seine Haltstelle verpasst hatte, stieg aus dem Bus aus und fand sich an einem fremden Platz wieder.


Er sah, dass er in einem kleinen Garten war, umgeben von glatten Mauern und Bäumen mit schimmernden Blättern. Pete erkannte sofort, dass das der Garten war, worüber jeder gesprochen hatte – der Platz, wo der Zauberer lebte.

"Hmm, wollen wir also mal sehen, wer wirklich hier lebt," dachte Pete, während er das Eisentor öffnete und hinein schaute.
Er traute seinen Augen nicht! Der Garten war wirklich bezaubernd, so wie die Geschichten  es beschrieben hatten. Pete war aufrichtig entzückt, während  er den Pflasterstein-Pfad entlang spazierte; nie zuvor hatte er solch großartige Blumen und Bäume gesehen! Der Pfad brachte ihn zur Mitte des Gartens, und dort, auf einer Bank, sah er einen alten Mann mit einem langen, grauen Bart sitzen.

"Sind Sie ein Zauberer?" fragte Pete den Fremden misstrauisch.
"Ja und nein," antwortete der Mann.
"Was bedeutet das?" fragte Pete .
"Du fragst, ob ich Wunder vollbringen kann, und die Antwort ist: nicht ganz - nur teilweise."
"Teilweise? Was bedeutet das?" Pete war verwirrt.
"Die Magie arbeitet nur, wenn sich Leute daran erinnern, dass ich ihnen half, aber gewöhnlich vergessen sie es." 

Wunder


"Umm, das verstehe ich nicht,“ gestand Pete.
"Stell dir vor, dass du deine  Mama bittest, dir  einen Baseball-Schläger  zu kaufen. Bevor du sie fragst, wirst du an deine  Mama denken. Stimmt’ s?"
"Natürlich" stimmte Pete zu.
"Aber wenn du beginnst, mit deinen Freunden  Baseball zu spielen, vergisst du deine  Mama, und du denkst nur noch an den Ball und an das Spiel. Meine Magie funktioniert genauso. Ich habe bei der Erfüllung vieler wichtiger Wünsche geholfen, aber sobald die Leute  mich vergessen, verschwindet alles."
"Kann ich mir auch was wünschen?" fragte Pete.
"Klar! Wenn du deinen Wunsch äußerst, sage nur das Zauberwort: "Wunder können geschehen" - und dein Wunsch wird sich sofort erfüllen! Aber wisse, du hast nur einen Wunsch."


Pete sagte dem Zauberer auf Wiedersehen, und bald war er in einem Bus, der zurück nach Hause fuhr.
"Ich sollte mir wünschen, dass es der Oma besser geht", dachte sich Pete. "Aber wenn ich vergesse, dass es der Zauberer war, der sie heilte, wird sie wieder krank  werden. Nein, das werde ich nicht tun.

Wie steht's mit einem Rad? Doch andererseits, sobald ich zu fahren beginne, werde ich  die Tatsache vergessen, dass es magisch ist und das Rad wird verschwinden."
"Was kann ich nur tun?"
Inzwischen hatte der Bus seine Haltestelle erreicht. Pete stand auf, schaute auf alle Passagiere, und wusste plötzlich was zu tun  ist.

wunder 2

"Ich wünsche jedem, sich immer zu erinnern, dass es wirklich Wunder gibt und es einen Zauberer gibt, der sie geschehen lässt!" Pete schrie so laut, dass es jeder im Bus hören konnte. Und er sprach die geheimen Worte: "Wunder können geschehen!" Er wusste, dass er seinen einzigen Wunsch benutzte, aber das war OK, weil jetzt der Zauberer jedermanns Wünsche Wirklichkeit werden lassen konnte.


Pete stieg aus dem Bus und ging den Gehsteig zu seinem Haus hinunter. Sein Haus sah genau so aus wie  am Morgen, als er abreiste, um seine Oma zu besuchen. Und als er die Tür öffnete, hörte er das Telefon; es war seine Oma.
"Pete, du wirst es nicht glauben, aber auf einmal fühle ich mich viel besser! Es ist ein Wunder!"
"Du hast recht, Oma, es ist ein Wunder!" sagte Pete, der glücklich lächelte und sich an den wunderbaren Zauberer erinnerte, der es geschehen ließ.

Kunst: M. Gonopolsky