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Das Buch Esther – ein verborgenes Geheimnis PDF Drucken E-Mail

Am Ende des Buches Esther wird der Bösewicht verurteilt und gehängt; doch müssen wir wirklich durch dieses ganze schaurige Zeug, um vorwärts zu kommen?

Das Buch Esther stellt vier führende Charaktere, die sich in Wirklichkeit auf zwei reduzieren lassen: Es gibt den König Ahasuerus (dessen Name auf hebräisch leichter auszusprechen ist), die Königin, Esther, und zwei Typen, die ein ziemliches Durcheinander veranstalten – Mordechai (der Gute) und Haman (der Böse). (Im Original kommt auch noch ein hässlicher Bursche vor, doch die Autoren des Buches Esther befürchteten von Hollywood Tycoons angezettelte Urheberrechtsprozesse und modifizierten daher die Geschichte ein wenig)

Auf Hebräisch heißt das Buch Esther Megilat Esther. Megilat leitet sich von Gilui (Enthüllung) ab und Esther von Hester (Verborgenheit). Mit anderen Worten handelt das Buch Esther von der Enthüllung des Verborgenen.

Doch lasst uns diese Enthüllung Schritt für Schritt vornehmen. Zunächst sollen wir uns daran erinnern, dass die Weisheit der Kabbalah erklärt, dass es in der gesamten Wirklichkeit nur den Schöpfer gibt und das Geschöpf, das Ihn wahrnimmt. Die Bibel und alle anderen alten hebräischen Schriften wurden zwar in verschiedenen Sprachen verfasst, doch sie erklären die gleichen spirituellen Konzepte wie die Kabbalah.

Im Buch Esther handelt es sich beim König offensichtlich um den Schöpfer, doch keiner der anderen Protagonisten ist eine eigene Entität; tatsächlich stellen alle Charaktere nur Aspekte von Gottes einzigem Geschöpf dar. An dieses Schlüsselkonzept muss man sich erinnern; es verwandelt sich von einem  moralistischen Märchen, dass der Gute schließlich den Bösen besiegt, in eine Allegorie über unser persönliches Verhältnis zum Schöpfer. Entsprechend der Kabbalah befinden sich Esther, Haman und Mordechai in uns, und der Schöpfer stellt die Eigenschaft der Güte dar, die wir annehmen müssen, um uns mit Ihm zu verbinden und glücklich sein zu können.

Die Geschichte fängt mit der Vorstellung des guten Kerls, Mordechais an. Er entdeckt, dass zwei Diener einen Mordanschlag auf den König anzetteln und er setzt diesen über die drohende Gefahr in Kenntnis. Doch die Reaktion des Königs ist ganz anders als wir erwarten; er befördert doch tatsächlich Haman anstatt Mordechai.

In unserer Geschichte repräsentiert Esther die kollektive Seele, die gesamte Schöpfung. Die beiden Rivalen, Haman und Mordechai, stellen die zwei Neigungen der Seele dar – die böse, den Egoismus (Haman) und die gute, den Altruismus (Mordechai).

Diese Rollen sind der Grund, warum der König Haman an Stelle von Mordechai begünstigt: um den Altruismus wählen zu können und sich mit dem Schöpfer zu verbinden, muss man zuerst erkennen, dass der Egoismus schlecht ist. Wir bestehen aus dem Verlangen zu empfangen. Um zum Altruismus wechseln zu können, müssen wir realisieren, dass Egoismus für uns Gift ist, und als Konsequenz eine Änderung wollen. Doch wie? Dadurch dass für Haman ein Köder ausgelegt wird, dem er nicht widerstehen kann, offenbart sich seine wahre Natur.

Daher bekommt Haman bis zum Ende immer mehr Macht, bis er schließlich der Versuchung nicht widerstehen kann; als er gefragt wird „Was soll mit dem Mann geschehen, den der König zu ehren wünscht?“ schluckt er den Köder: „Für den Mann, den der König zu ehren wünscht, lasst königliche Gewänder bringen, die der König zu tragen pflegte, und das Pferd, das der König ritt, und dessen Kopf königlichen Schmuck trägt; und lasst die Gewänder und das Pferd zu einem der nobelsten Fürsten des Königs bringen, dass er den Mann bekleide, den der König zu ehren wünscht, und führt ihn auf dem Pferd durch die Strasse der Stadt und ruft vor ihm aus: So tut man dem Mann, den der König zu ehren wünscht.“
Im Herzen des Buches Esther liegt das tiefste Prinzip zur Erreichung der Spiritualität: um den Schöpfer zu enthüllen, sei bereit, dich zuerst selbst zu enthüllen. Die Schöpfung, deren Teile wir alle sind, besteht nur aus dem Wunsch Vergnügen zu empfangen. Der Schöpfer besteht auch aus einem einzigen Verlangen: dem Wunsch Vergnügen und Freude zu schenken – also das genaue Gegenteil zur Schöpfung. Wenn du dir den Schöpfer und die Schöpfung als zwei Personen vorstellst, ist es so, als würde einer all das lieben was der andere verachtet. Kein Wunder, warum wir keine Verbindung haben. Wenn wir Verbindung haben wollen, müssen wir uns dem Schöpfer angleichen, zumindest ein bisschen. Je mehr wir wie Er sind, umso besser wird unsere Verbindung und Kommunikation mit Ihm sein.

Die Geschichte des Buches Esther umfasst den gesamten Weg des spirituellen Prozesses, den wir alle erfahren werden. Das Schöne an dieser Geschichte ist, dass wir nicht alles sofort verstehen müssen. Diese wenigen Seiten der Bibel können wir immer wieder lesen, sie werden jedes Mal neue Geheimnisse enthüllen. Alles was wir erkennen sollen ist der simple Grundsatz: Um den Schöpfer zu enthüllen, sei bereit dich zuerst zu enthüllen. Jedes Mal, wenn wir mehr über den Schöpfer wissen wollen, wird Er uns stattdessen zeigen, wer wir sind. Doch nicht deswegen, weil Er sich versteckt; sondern weil wir Haman in uns erkennen sollen, bevor wir die Größe Mordechais erkennen, der als einziger den Schöpfer wirklich liebt.
Auf diese Weise werden wir nicht nur den Schöpfer enthüllen, sondern auch Mordechais Belohnung erhalten: „Dann nahm Haman die Gewänder und das Pferd, und er kleidete Mordechai an, und führte ihn auf dem Pferd durch die Strasse der Stadt und rief vor ihm aus: So tut man dem Mann, den der König zu ehren wünscht.“ Darüber hinaus ist Mordechais abschließende Belohnung Hamans größter Wunsch: „Und der König nahm seinen Ring ab, den er von Haman genommen hatte, und reichte ihn Mordechai.“

Also: der Gute, der Böse und die Schöne (Königin) befinden sich allesamt in uns. Um sie zu entdecken, bitte (den Schöpfer) und dir wird gegeben.