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Über den freien Willen PDF Drucken E-Mail

Beschreibung

Freier Wille, Determinismus und Vorherbestimmung treffen auf die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Die Struktur unseres „Ichs“ wird als eingebettet in vier Faktoren erklärt, die unsere Eigenschaften und unser Verhalten aus unseren Genen heraus und vonseiten unseres Umfelds bestimmen.

Transkript

Wahrnehmung der Wirklichkeit: Habe ich einen freien Willen?

Meine Frage ist: Haben wir einen freien Willen oder ist alles vorbestimmt?

Wir wissen nicht, welche unserer Handlungen tatsächlich frei sind, und bei welchen wir nur die Illusion von Freiheit haben. Und zwar, weil wir für die Gesetze und Kräfte, die uns lenken, blind sind. Wir nehmen an, dass es gar keine Lenkung gibt. Da ist also eine Lücke in unserer Wahrnehmung, und die nennen wir „freien Willen“.

Doch tatsächlich haben wir gar keinen freien Willen, außer bei einer einzigen Sache. Und ausserhalb dieser Sache ist alles von unserer inneren und äußeren Natur bestimmt. Diese wird von vier Faktoren festgelegt.

Um zu erfahren, worin unsere Freiheit tatsächlich besteht, müssen wir einen Blick auf eine untere Ebene unseres Lebens werfen. Dann werden wir begreifen, wie diese vier Faktoren zusammenarbeiten.

Betrachten wir einen Getreidesamen.

1. Der erste Faktor: das Beet, die Grundlage

Man kann diesen Samen nehmen und in der Erde vergraben, die Schale wird verrotten und verschwinden, aber die Information über die Eigenschaften, die sich daraus entwickeln, stirbt nicht und die alte Form verwandelt sich in eine neue - und die Information ist die erste Ursache für alles, was daraus folgt.

Ähnlich wie bei einem Spermium, das die abstrakte Form all unserer Vorfahren enthält. Und wir kommen in die Welt mit all dem Wissen, das sie erworben hatten und alle den physischen und geistigen Eigenschaften, die wir wiederum als unsere unterbewussten Neigungen wahrnehmen. Doch in Wirklichkeit sind es nicht unsere, sie sind in uns angelegt und wir können sie weder frei wählen noch verändern. Keinesfalls.

2. Der zweite Faktor: Ursache und Wirkung, die sich aus der Grundlage selbst ableiten

Nun bekommt die Information in unserem Samen eine neue Form, aber die Form hat keinen Einfluss auf die Information. Er wird niemals zu einem Apfelbaum oder einem Kürbis werden. Es entwickeln sich nur die Eigenschaften, die der Same in sich trägt. Es können sich nur Unterschiede in der Qualität oder in der Quantität ergeben. Doch es kann daraus nur ein Getreidehalm entstehen.

Genetiker behaupten, dass unsere Gene alles bestimmen, selbst das, was wir für unsere persönlichsten tiefsten Sehnsüchte halten. Man hat Gene identifiziert, die dafür verantwortlich sind, dass ein Mensch gute oder kriminelle Veranlagungen hat, solche, die für Suchtverhalten oder sexuelle Vorlieben verantwortlich sind. Das innere System, das wir als unser „Ich“ wahrnehmen, ist nur eine Ansammlung von Eigenschaften, die von einem Programm gesteuert werden, das uns entweder zum Guten oder zum Negativen hin lenkt. Und wir haben keinerlei direkten Einfluss auf dieses Programm.

3. Der dritte Faktor: innere Ursache und Wirkung

Wie gut dieser Getreidehalm wächst, hängt von speziellen äußeren Faktoren ab, die direkt auf sein Wesen wirken. Sonneneinstrahlung, Regen, Mineralgehalt des Bodens usw.. Verschiedene Dünger haben unterschiedlichen Einfluss auf das Wachstum des Getreidehalms. Nur diese Kräfte wirken auf die Saat und keine anderen.

Unser geerbtes Programm von Wünschen, Gedanken und Verhalten entwickelt uns zum Positiven oder Negativen und ist abhängig von unserer Familie, die wir nicht freiwillig auswählen, wie wir aufwachsen und erzogen werden. Denn offensichtlich sind wir als Kinder hilflos und alles wird durch unsere Familie bestimmt. Daher werden wir von einer Kette konstanter Wechselwirkungen angetrieben. Durch das Denken, die Beschaffenheit und die Werte unserer Familie. Was immer aus uns wird, ist das Ergebnis daraus, ob wir mit diesen Kräften einverstanden sind oder uns dagegen auflehnen. Aber wir können die Gesetze, die unser Wesen formen, und die Art, wie sie es tun, nicht verändern. Also gibt es auch hier keinen freien Willen.

4. Der vierte Faktor: Ursache und Wirkung durch fremde Einflüsse

Dies sind Einflüsse der Umwelt, die nicht wie Regen oder Dünger, einen direkten Zusammenhang mit dem Wachstum des Getreides haben. Es sind Kräfte wie Hagel oder vorbeiziehende Tiere und Nachbarpflanzen. Und sie beeinflussen insgesamt die anderen drei Faktoren.

Natürlich kann eine Pflanze nicht aufstehen und den Ort wechseln, aber wir - unabhängig von der Tatsache dass wir die drei anderen genannten Faktoren unserer Entwicklung nicht mitbestimmen können, wir haben darauf insofern Einfluss, dass wir zumindest unsere Umgebung wählen können. Das ist diese einzige Sache, die ich anfangs schon erwähnt habe.

Es ist unser einziges bisschen Freiheit in der physischen Welt. Und von diesem bisschen aus können wir uns die Gesetze, die uns sonst in die Richtung unseres Ziels schleudern, zunutze machen. Denn ein Mensch kann negative oder schwache erste und zweite Faktoren haben und nur indem er diese Faktoren des Entwicklungssystems einer guten und richtigen Umgebung aussetzt, kann er seine Entwicklung beeinflussen und verbessern. Dadurch kann er ebenfalls die Entwicklungsgeschwindigkeit beschleunigen.

Der Wert unseres Lebens wird nur danach beurteilt. Denn nachdem wir eine solche Umgebung ausgesucht haben, finden die genannten Gesetze auch hier wieder Anwendung. Und die gute Umgebung wiederum formt in weiterer Folge all unsere zukünftigen Voraussetzungen.

Daher raten uns die Kabbalisten, die richtigen Bücher, die richtigen Freunde und den richtigen Lehrer zu wählen.

 

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